Joseas R. Helmes

Home / Bilder / Das chymische Lustgärtlein

Das Chymische Lustgärtlein im Kaufhaus Lafayette

An der Oberfläche sieht man zunächst flüchtige Bilder, Momentaufnahmen. Es handelt sich um die Umsetzung von im Berliner Kaufhaus Lafayette aus der Hüfte geschossenen Fotos in Malerei.
Optische Phänomene, die Bewegung der fotografierten Menschen, die Wirkung und Farbigkeit des künstlichen Lichts und vor allem die Anziehung, die ausgerechnet dieses Bild unter all den anderen in diesem Moment auf mich ausübt, sind Inhalt des malerischen Prozesses.

In der zweiten Phase der Entstehung des Werks gehe ich unter die Oberfläche des Bildes: der Fräskopf schneidet eine bis zu einem Zentimeter tiefe Zeichnung in die Holzplatte, auf der die Malerei steht. Diese Ausgrabung unter der Oberfläche wird schließlich vergoldet.
Die Fräszeichnungen entstehen nach alchimistischen Allegorien, entnommen aus dem „Chymischen Lustgärtlein“, einem 1624 von Daniel Stolcius von Stolcenberg in Frankfurt veröffentlichtem Buch.

Die wirkliche Bedeutung der in den Allegorien beschriebenen Prozesse sind uns nicht bekannt, denn die Geheimnisse der alchemistischen Lehre wurden stets nur mündlich weitergegeben; sie ist auch nicht das was ich mit diesen Bildern zu ergründen versuche. Mich interessiert der Prozess in dem sich eine Korrespondenz zwischen den geheimnisvollen, alten, mir irgendwie bedeutsam erscheinenden Zeichnungen und der Malerei entwickelt.
Was hat der in einem flammenwerfenden chemischen Kolben gefangene dreiköpfige Drache mit den Strumpfhosenverpackungen zu tun, was das Einhorn, aus dem Rosen sprießen, mit der jungen unbekannten Frau? Die naheliegenden Antworten bleibe ich dem geneigten Betrachter hier schuldig und verweise ihn auf sein intuitives Gewahrsein.

Joseas R. Helmes, Ostern 2002

de en